Rückblick auf den Anfänger*innenlehrgang 2021

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Gruppenbild mit Schulungsdoppelsitzer CF

(verfasst von Jule und Helene)

Jeder von uns hatte sich irgendwann im Frühjahr für diesen Segelflugschnupperkurs angemeldet. Doch erst während dem ersten virtuellen Vortreffen, bei dem wir uns alle zum ersten Mal sahen, wurde die Sache langsam ernst. Corona und andere Unvorhersehbarkeiten machten es lange unklar, ob der Schnupperkurs überhaupt stattfinden würde. Mit den letzten wichtigen Hinweisen bezüglich der Anfahrt, der Orga und wichtiger Kleidungsstücke sahen wir zum ersten Mal Gesichter zu den Namen auf dem Bildschirm. Bei der Gelegenheit wurden auch Mitfahrgelegenheiten besprochen, denn beim näheren Hinschauen auf der Karte stellten wir fest, dass Kammermark über die Autobahn gut erreichbar war. So ging es für die meisten am Freitag auf in Richtung Flugplatz.

Zu dritt im Auto war die Stimmung recht eigenartig, nachdem wir alle schon länger keine neuen Menschen mehr kennengelernt hatten. Keiner wusste, was uns erwarten würde. Wir wussten damals noch nicht, dass diese Autofahrt ein erster Einstieg in eine ganze Reihe neuer Bekanntschaften sein würde. Je näher wir dem Ziel kamen und bei Verlassen der Autobahn wurde uns langsam klar, dass wir die nächsten 16 Tage irgendwo mitten in der Pampa in Brandenburg verbringen würden. Anders als wir es uns vorgestellt hätten, bestand unsere kleine Gruppe aus anfangs acht, ab der zweiten Woche dann aus neun Personen. In Kammermark angekommen wurden wir von ein paar Akaflieger*innen begrüßt und bezogen unsere Zimmer im Gästetrakt.

Gespannt erwarteten wir, was die nächsten Tage bringen würden. Am nächsten Morgen stellten wir verdutzt fest, dass sich noch weitere Akafliegende versammelt hatten und uns Anfänger*innen in die Unterzahl versetzten; Damit hatten wir beim besten Willen nicht gerechnet. Zu dem Zeitpunkt war uns aber auch noch nicht klar, was und wen es alles braucht, um ein Segelflugzeug in die Luft zu bekommen.

Nach einer kurzen Einführung in Theorie und Sicherheit ging es mit diversen interessanten Gefährten (Winde, Startwagen und Pittys) in Richtung der Flugzeughalle. Während beim ersten Aushallen die größte Herausforderung noch war, nicht im Weg zu stehen, entwickelte sich doch schnell ein Gespür für die Dimensionen der Flugzeuge, die wie bei umgekehrtem Tetris aus der Halle gefischt wurden. Für uns Kursteilnehmer*innen handelte es sich dabei um zwei Grob Twin-II-Doppelsitzer CF „Charlie Fox(trott)“ und CI „Charlie India“, die uns treu durch die zwei Wochen begleiteten.

Startwagen, Pitty (Flugplatzauto) und Flugzeug am Start

Gleichmäßig in Teams auf die Flugzeuge aufgeteilt, stürzten sich im Laufe der Woche die Fluglehrer*innen Schrubb, NT, Renate, Kobo und Philip auf uns. Kaum hatten wir die Flugzeuge sicher aus der Halle geholt, ging es auch schon los mit dem Flugzeugcheck. Die Wolken hingen sehr tief und zwangen uns zum Warten, denn als Segelflieger*in darf man nicht über der geschlossenen Wolkendecke fliegen. Wir nutzen die Zeit, bis die Wolken etwas höher gestiegen waren, für einen sehr ausführlichen Flugzeugcheck und lernten schon einiges über die Teile eines Segelflugzeuges. Bei dem Doppelsitzer CF stellten wir dann fest, dass eine Tragfläche ungewöhnlich laut quietschte. Um dem Quietschen auf den Grund zu gehen, beschloss Schrubb die Fläche abzurüsten. So sahen wir gleich am ersten Tag, was sich im Inneren eines Flugzeuges verbirgt.

Hauben werden vor dem Start geschlossen und verriegelt

Sobald wir alles wieder fertig zusammengebaut hatten, waren die Wolken hoch genug, um zu starten. Die große Frage war, wer möchte/darf zuerst? Bei der CF-Gruppe drucksten alle herum und keiner traute sich so richtig, als erstes zu starten. Vielleicht lag es auch daran, dass wir das Flugzeug gerade auseinandergenommen hatten und noch niemand mit dem Flugzeug geflogen war. Am Ende traute ich (Jule) mich dann doch als Erste. Vorne im CF sitzend und letzte Anweisungen von hinten bekommend, war ich mir meinem tollkühnen Vorhaben dann doch nicht mehr so sicher. Spätestens als die letzten Sicherheitseinweisungen verklungen waren und wir eingeklinkt wurden, wurde es ernst. Das Blinken der Winde, was den Startvorgang ankündigt, löst bis heute ein Gefühl in mir aus, dass ich nicht so richtig beschreiben kann. Wahrscheinlich eine Mischung aus Vorfreude, Aufregung und der starken Hoffnung, dass alles gut geht.

Und schon waren wir in der Luft und flogen. Was für ein unbeschreiblich schönes Gefühl. Nachdem man sich kurz vom Start erholt hatte und den Ausblick genießen konnte, ging es auch schon los und man bekam den Knüppel in die Hand. Das erste Mal ein Segelflugzeug fliegen. Viele von uns hatten wahrscheinlich noch nicht damit gerechnet, dass es gleich am ersten Tag so weit sein würde.

Als es im Laufe des Tages zu regnen begann, waren wir gezwungen eine kurze Pause einzulegen. Während der gesamten zwei Wochen war dies jedoch einer der wenigen schlechten Tage. Die restliche Zeit war oft bestes Platzrundenwetter und gelegentlich schien die Sonne stark genug für kurze Hosen. Einige längere Thermikflüge waren auch dabei. An den übrigen kälteren Tagen hielt uns dafür das Zurückschieben der Flugzeuge warm.

In der zweiten Woche erlebten wir, dass bei starkem Wind zu fliegen auf jeden Fall anders ist, vor allem beim Start.

Denn ein paar von uns hatten einen „Seilriss“: Die Sollbruchstellen, die an den Vorseilen der Schleppseile die Überbelastung des Flugzeugs verhindern, rissen unerwartet. Somit wurde der Start unvorhergesehen unterbrochen, nicht einmal Fluglehrer*innen können einen solchen Seilriss vorhersehen. Die vorherigen Startabbruchübungen machten sich nun definitiv bezahlt, sodass wir die verkürzten Flüge souverän zu Ende flogen, trotz der Seilrisse. In der Flugausbildung wird besonders darauf geachtet, Flugschüler*innen auf diese Ereignisse vorzubereiten. Die gerissenen Sollbruchstellen wurden natürlich als Andenken mitgenommen.

Im kompletten Kontrast zu dem windigen Tag stehen die Flüge am Abend. Die letzten Sonnenstunden des Tages vergehen ohne Thermik, im Gegenteil: die Luft ist sehr ruhig, wodurch man den wunderschönen Ausblick und den Sonnenuntergang vollends genießen kann, während man fast in eine andere Welt versinkt.

Relativ schnell entwickelte sich der gänzlich neuen Tagesablauf doch zu einer Art Routine. Dazu trug natürlich auch der Dienstplan bei, in dem Frühstücks-, Badputz-, Koch-, und Abwaschdienste für jeden Tag eingeteilt waren. Die restlichen flugbetrieblichen Dienste waren zusätzlich unter helfenden Akafliegenden verteilt: Start leiten, Winde und Pittys fahren und Einklinken. 

Die Tage liefen sehr flüssig ab und es konnte pünktlich mit dem Briefing, Aushallen und natürlich dem Flugzeugcheck losgelegt werden. Kurz darauf folgten schon die ersten Starts, die den Köchen des Tages vorbehalten waren. Die Übriggebliebenen konnten sich mit Tee und Kaffee und Flugzeugschieben warmhalten. Um den Flugbetrieb nicht zu unterbrechen, wurde das Mittag am Start gegessen. Die niedrige Teilnehmerzahl ermöglichte uns mehr Zeit zum Fliegen und Vor- und Nachbesprechungen während des Flugbetriebes. Nachmittags wurden noch einige Helfer*innenstarts durchgeführt. Für die Fluglehrer*innen war der entspanntere Betrieb eine besondere Entlastung.

Sollbruchstellen am Vorseil
Sonnenuntergang in Kammermark

Nachmittags ging es dann für das Kochteam los zum Einkaufen und danach in die Küche, um das Abendessen zuzubereiten, das gleichzeitig als Mittag des nächsten Tages dienen sollte. Dadurch ergaben sich Portionsangaben, an die man sich erstmal gewöhnen musste: Kochen von 50 Portionen, wie wir schnell lernten, dauerte um einiges länger als für zwei. Dadurch gab es Tage, an denen hungrige Anfänger*innen sowie Akafliegende doch noch auf ihr Essen warten mussten. Dabei ging der Flugbetrieb bis zum Sonnenuntergang. Danach musste alles abgebaut und die Flugzeuge von den Insektenleichen des Tages befreit und für die Nacht sicher in der Flugzeughalle verstaut werden. Beim Einfahren der letzten Windenseile wurden mit den Seilen auch noch mit Sand gefüllter Kanister eingezogen. Auf dem saß gelegentlich noch eine Person, die sich im „Kanisterreiten“ versuchte. Dabei ging es darum, bis zur Winde noch auf dem Kanister zu bleiben – trotz einer Geschwindigkeit von 30 km/h und der ein oder anderen Bodenwelle. Dabei wurden verschiedene Techniken ausprobiert, die sich als mehr oder weniger effektiv erwiesen.

Schulungsdoppelsitzer CI wird nach der Landung an den Start geschoben

Wir wurden vorgewarnt, dass wir nach diesem ganzen Programm abends sehr müde sein würden. Geglaubt haben wir es natürlich nicht und schnell merkten wir, dass wir im Unrecht waren. Die mitgebrachten Spiele und Hausarbeiten lagen hauptsächlich rum. Gerade in den ersten Tagen lernten wir so viele neue Dinge und Menschen kennen, dass es manchmal schwer war, beim Abendessen die Augen noch offen zu halten. Die frische Luft und das ganze Flugzeugschieben trugen sicher auch ihren Teil dazu bei. Nachdem wir uns etwas an diese neue Routine gewöhnt hatten, konnten wir dann einige schöne Abende erschöpft vor dem Kamin verbringen. Auch die selbstgebaute Sauna wurde von einigen sehr gerne genutzt, um die kalten Knochen wieder aufzuwärmen.

Je näher das Ende des Lehrgangs rückte, desto routinierter wurden unsere Starts, Kurven, Startabbruchübungen und Landungen, sodass sogar die A-Prüfung gar nicht mehr so weit entfernt schien wie zu Beginn des Lehrgangs. Auch die Hürde Theorieprüfung wurde von allen gemeistert – und das um halb elf Uhr abends. Ein weiterer Punkt waren die Trudelübungen, die auch kurz vor den Alleinflügen durchgeführt wurden. Die nicht gewarnten Wartenden auf dem Flugplatzboden schauten schockiert auf die „abstürzen“ Flugzeuge, die sich eigentlich in einer kontrollierten Trudelbewegung befanden. Der krönende Abschluss war für fünf Teilnehmer*innen und eine Akafliegerin der ersten Alleinflug, der „Freiflug“, mit dem die A-Prüfung als abgeschlossen gilt.

Doch anders als gedacht, bedeutete das Ende des Lehrgangs für einige nicht, die Akaflieg nie wiederzusehen. Denn vier der neun Teilnehmenden hatten doch so viel Spaß, dass sie nun als Anwärter*innen Teil der Akaflieg sind. Aus den zwei Wochen in der Pampa ist damit eine neue Leidenschaft gewachsen und mit dazu kommen ein Haufen neuer Freunde, neues Wissen, Erfahrungen und so viel mehr. Dafür möchten wir uns gerne nochmals bei allen Beteiligten bedanken, die dieses unvergessliche Erlebnis ermöglicht haben.                                                                   

Jule Lemcke und Helene Kluge