Streckenflug im Segelflugzeug

„Wie lange fliegt so ein Segelflugzeug?“ Viele Pilot:innen mussten schon überlegen, wie sie diese Frage am Besten beantworten. Denn es gibt verschiedene Flugarten:

Eine Platzrunde im Segelflug entfernt sich nicht vom Flugplatz und dauert wenige Minuten. Besonders in den ersten Phasen der Ausbildung werden hauptsächlich Platzrunden geflogen, um Start und Landung sowie einfache Manöver in der Luft zu üben.

Wenn man sich aus dem Gleitbereich des Platzes über weite Strecken entfernt, nennt man einen Flug auch Überlandflug. Eines der sportlichen Ziele des Segelflugs ist es eine möglichst große Strecke in kürzester Zeit zurück zu legen. Ob man die gewünschte Strecke schafft ist stark wetterabhängig. Auch Flugzeug und die eigene Leistung spielen eine entscheidende Rolle, ob man außenlandet oder nicht. Da die Leistung der Segelflugzeuge kontinuierlich steigt, werden immer weitere Strecken möglich. Der Weltrekord liegt bei beeindruckenden 3000 km an einem Tag, die allerdings nicht in unseren Breitengraden geflogen wurden.

Außenlandungen werden in der Ausbildung gut geübt; Segelflieger:innen müssen immer darauf vorbereitet sein

Wettbewerbe

Der Segelflugsport wird zum Großteil als dezentraler Wettbewerb ausgetragen. Das heißt, dass Pilot:innen am eigenen Flugplatz starten und versuchen, das regionale Wetter bestmöglich auszunutzen. Während des Fluges werden Höhe und Position per GPS verfolgt und mittels eines Loggers geloggt. Nach der Landung können Seiten wie WeGlide oder Onlinecontest.org den Flug analysieren und auswerten. Eine Punktzahl bestimmt das Ranking und wird abhängig vom Flugzeugtypen berechnet.

Bei uns wurde flugplatzintern der KaDeWe (Kammermarks Dezentraler Wettbewerb) ins Leben gerufen. Er soll junge Scheininhaber:innen ermutigen, die Welt des Streckenflugs zu erkunden.

Zusätzlich werden Wettbewerbe veranstaltet, die alle Teilnehmer:innen an einem Flugplatz versammeln. In diesem Fall schreibt eine Wettbewerbsleitung vor, welche Strecke an dem Tag geflogen wird. So gilt es für alle die gleiche Herausforderung zu meistern. Wir veranstalten alle drei Jahre den Schimmelcup, der das Ziel verfolgt nicht nur die Besatzung, sondern auch Akaflieg-Prototypen gegeneinander antreten zu lassen.

So unterschiedlich kann dieselbe Aufgabe aussehen: Die Flugzeugleistung muss bei der Planung einer Strecke mit einbezogen werden. So schafft der Stuttgarter Prototyp fs33 eine deutlich weitere Strecke als ein Discus CS am selben Tag mit gleichem Wetter. Für mehr Infos auf die Bilder klicken!

fs33, 315 km

Schimmelcup Tag 4

Discus CS, 242 km

Lufträume in der Umgebung

Der Streckensegelflieger findet in der Prignitz und ihrer Umgebung, was man in weiten Teilen der Bundesrepublik überhaupt nicht mehr kennt: rundum freien Luftraum!

Seit der Saison 2012 ist das „Bombodrom“ (ED-R-51) aus den ICAO-Karten verschwunden, und das nächste bedeutende Luftraum-Hindernis (Berlin C, Untergrenze 3500 Fuß) ist ca. 70 km entfernt. So lässt sich, je nach Wetter, fast in jede Himmelsrichtung ein 300-km-Dreieck planen. Auch beliebig größere Dreiecke sind in fast alle Richtungen möglich – außer nach Südosten, denn eine Umrundung Berlins und seiner Lufträume C erfordert etwa 550 km. Wenn der neue Großflughafen Berlin-Schönefeld (BER) seinen Betrieb aufnimmt, wird daraus eine Verlagerung und erheblichen Vergrößerung seines Luftraums C resultieren. Allerdings darf seit 2010 der polnische Luftraum rechts der Oder mit benutzt werden. Von Interesse sind dabei die Wojewodschaften Westpommern und Lebus, die insoweit von der deutschen ICAO-Karte Berlin abgedeckt sind.

Streckenfluggebiete

Auch für Streckenfluganfänger ist Kammermark geeignet. Meistens genügt ein Start an der Winde, um Anschluß an die Thermik zu finden. In 25 bis 42 km Entfernung liegen die Flugplätze Neustadt-Glewe, Perleberg, Kyritz, Wittstock-Berlinchen und Rechlin-Lärz, alle mit Segelflugbetrieb. Leicht über 50 km sind es nach Pinnow (am Schweriner See), Stölln und Waren-Vielist. „Sumpf und Sand“, über denen sich der rote Adler erhebt, sind sprichwörtlich-typisch für die Mark Brandenburg.

"Streckenflugmöglichkeiten
© Bundesamt für Kartographie und Geodäsie,
Frankfurt am Main

Gerade dieser Gegensatz (die mecklenburgischen Seen wären noch hinzuzufügen) ist für Streckenflüge besonders günstig: der trockene Sandboden, reichlich vorhanden, heizt sich auf, die Feuchtgebiete fördern die Ablösung – und bieten abends zur Heimkehr oft die rettende Umkehrthermik. Die Darstellung der Sander („Rennstrecken“) und der Feuchtgebiete würde den Rahmen dieser Kurzdarstellung sprengen. Diese Einzelheiten erläutern wir in Kammermark gern!

Hier sind ein paar wunderschöne Beispielflüge! Noch mehr davon findet ihr, wenn ihr auf die Bilder klickt oder auf

Im Kestrel um Berlin, 613km

ASW24 beim Schimmelcup, 236km

In der B12 nach Norden, 270 km

Discus CS Richtung Süden, 264km